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„Mehr Demokratie wagen“ will Willy Brandt, als er 1969 die Wahl zum Bundeskanzler gewinnt. Die Gewerkschaften knüpfen große Hoffnungen an die erste Regierung unter sozialdemokratischer Führung. mehr...
Eigentlich trat Kurt Gscheidle 1969 als Spitzenkandidat für das Amt des DGB–Vorsitzenden an. Doch der Bundeskongress entschied sich für Heinz Oskar Vetter. Er machte die Mitbestimmung zur Chefsache im DGB. Gegenkandidat Gscheidle wurde Staatssekretär, später Bundespostminister. mehr...
In der „großen“ wie in der „kleinen“ Politik waren die späten sechziger und frühen siebziger Jahre eine Zeit der Veränderungen und des Aufbruchs. Überholte Geschlechterrollen kamen auf den Prüfstand, neue soziale Bewegungen entstanden, selbst in die frostigen Ost–West–Beziehungen kam Bewegung. Der DGB und seine Mitgliedsgewerkschaften mischten dabei kräftig mit, sei es im Verein oder im Streit mit rebellierenden Studenten, sei es bei ersten vorsichtigen Begegnungen mit FDGB–Repräsentanten in der DDR. mehr...
In den Siebzigerjahren gehen der Bundesrepublik die Lehrstellen aus, ein bisher unbekanntes Phänomen macht sich breit: die Jugendarbeitslosigkeit. Der DGB setzt sich für eine Reform der Berufsbildung ein, 1975 demonstrieren bundesweit über 200 000 Menschen für mehr Lehrstellen und ein verbesserte Ausbildung. mehr...
Die deutsche Arbeiterbewegung war in der bürgerlichen Gesellschaft angekommen. Sichtbare Belege waren 1959 das Godesberger Programm der SPD und das Düsseldorfer Programm des DGB von 1963. Doch in Programmform wurde eigentlich nur gegossen, was längst die praktische Politik der Partei und der Gewerkschaften bestimmte: Das Richtfest im Haus der sozialen Marktwirtschaft war gefeiert, jetzt kam es auf den Innenausbau an. Die Bedeutung der Programme von Godesberg und Düsseldorf lag vor allem darin, dass sie Handlungsmöglichkeiten zur reformerischen Gestaltung von Gesellschaft und Wirtschaft eröffneten und zugleich Vertrauen und damit letztlich die Voraussetzungen für eine Modernisierung der Bundesrepublik schufen. Das kam auch den ArbeitnehmerInnen zugute, aus deren Sicht sich die Bilanz der Großen Koalition und des ersten Kabinetts Brandt durchaus sehen lassen konnte, einer Zeit, in der das Wort „Reform“ noch positive Assoziationen auslöste.
Die Ölkrise 1973 und die folgende Rezession treffen die bundesdeutsche Konjunktur mit Wucht. Keine gute Zeit für den Sozialstaat: Unter der Regierung von Brandts Nachfolger Helmut Schmidt kürzt der Staat bei Arbeitsförderung, Renten und im Öffentlichen Dienst. Die Krankenkassenbeiträge und die Arbeitslosenversicherung werden teurer. Unter Brandt wurde der Sozialstaat noch ausgebaut, jetzt schränkt die Wirtschaftskrise die Spielräume spürbar ein. mehr...
Vom der neuen sozialliberalen Koalition erhoffen sich die Gewerkschaften eine andere Politik. Doch die SPD kann sich im Parlament gegen ihren Koalitionspartner FDP nicht durchsetzen: wichtige gewerkschaftliche Forderungen bleiben unberücksichtigt. Dennoch ziehen die Arbeitgeber gegen das neue Mitbestimmungesetz vor das Bundesverfassungsgericht – und verlieren. mehr...
Februar 1973, Gründung des EGB in der Zentrale des Belgischen Gewerkschaftsbundes in Brüssel
1957 weitet die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl ihre Zusammenarbeit auf andere Wirtschaftsbereiche aus. Die sechs Mitgliedstaaten gründen die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG), auch „Gemeinsamer Markt„ genannt. Angestrebt wird die Freizügigkeit von Personen, Waren und Dienstleistungen. Die europäischen Gewerkschaften reagieren 1973 und gründen den Europäischen Gewerkschaftsbund (EGB). Die Positionen der europäischen ArbeitnehmerInnen sollen so in Brüssel besser zum Tragen kommen. Heute vertritt der EGB 82 nationale Gewerkschaftsbünde aus 36 Ländern und 12 europäische Branchenverbände mit insgesamt 60 Millionen Mitgliedern. Von Beginn an mit dabei sind die deutschen Gewerkschaften mit ihrem Dachverband. Der EGB ist direkt an den europäischen Gesetzgebungsverfahren beteiligt. Er kann mit den europäischen Arbeitgeberverbänden Vereinbarungen abschließen, die mit Beschluss des Europäischen Rats und des Europäischen Parlaments rechtlich verbindlich werden. Ob nun bei der Teilzeitarbeit, beim Elternurlaub oder der Arbeitszeitrichtlinie, der EGB setzt sich für die Rechte der ArbeitnehmerInnen ein. www.etuc.org
In der sozialliberalen Bundesregierung sind Arbeitnehmerinteressen erstmals gut vertreten. Doch die Euphorie geht bald zu Ende. Die Arbeitslosigkeit steigt. Die Gewerkschaften fordern kürzere Arbeitszeiten, die Arbeitgeber die volle Flexibilisierung der Arbeit. Sie wollen erreichte Standards abschaffen.
1974 wehren sich die Arbeitgeber mit Händen und Füßen gegen ein neues Mitbestimmungsgesetz und die Berufsbildungsreform. Ihre Vertreter drohen mit dem Stopp der Lehrlingsausbildung, sie starten antigewerkschaftliche Hetzkampagnen. Im Mai 1974 entlarvt DGB-Chef Heinz Oskar Vetter die Strategien als „Klassenkampf von oben“.
Die Festreden von Bundespräsident Horst Köhler, DGB-Vorsitzendem Michael Sommer und IGB-Präsidentin Sharan Burrow in Bild und Ton. Zahlreiche Glückwünsche haben uns erreicht. Dankeschön!